Nonnenkatzen

Wir stiegen aus der Straßenbahn aus und gingen zu Fuß weiter. Die bombastische Prachtallee aus faschistischer Zeit ließ das benachbarte Forum Romanum armselig aussehen, brachte das Colosseum aber gut zur Geltung. Auf mich, einen Sechsjährigen, wirkte es überwältigend. Dass es sich allerdings um eine „Ruine“ handeln sollte, machte mir Angst. Ruinen hatten, wie ich wusste, manchmal die Eigenschaft, einzustürzen.
„Das Ding steht seit zweitausend Jahren“, beruhigte mich Mutter. „Es wird nicht ausgerechnet heute zusammenbrechen.“
„Und wenn doch?“, fragte ich.
„Dann sterben wir gemeinsam. Ich bleibe bei dir.“

Meine Eltern legten Wert auf meine Allgemeinbildung und bereiteten mich auf den Besuch der antiken Stätte vor. Sie erzählten mir von den alten Römern, die unzählige Sklaven als Gladiatoren bis in den Tod miteinander kämpfen ließen, während das Publikum johlte und begeistert von den Sitzen aufsprang, wenn sich wieder einmal die tödlichen Spitzen eines Dreizacks oder eine Lanze in den Hals des Gegners bohrten. Dieses Bild war beängstigend, übte aber gleichzeitig eine seltsame Faszination auf mich aus. Ich stellte mir vor, ein Teil dieses entfesselten und blutrünstigen Publikums zu sein, das den ganzen Tag nichts Besseres zu tun hatte, als die Zeit in der Arena zu verbringen. Statt Hemd und Hose zu tragen, hatte ich ein weißes Bettlaken um den Körper gewickelt und mit eine bronzenen Klammer an der Schulter festgemacht. So saß ich auf einer der Steinbänke im Collosseum, schlürfte ein sehr antikes, aber dennoch colaähnliches und deshalb angenehm süßliches Getränk und betrachtete fasziniert, wie der Gladiator mit dem roten Helm den bärtigen Kopf seines Widersachers abschlug, mit einer Lanze aufspießte und in die Höhe hielt.
„Außerdem wurden Sklaven, Kriegsgefangene und zum Tode Verurteilte wilden Tieren zum Fraß vorgeworfen.“
„Welchen Tieren?“, fragte ich.
„Raubkatzen. Löwen und Tiger.“
„Leoparden, Nashörner, Krokodile, Wölfe, schwarze Panther, Pumas“, scherzte mein Vater.
„Blödsinn“, sagte Mutter. „Pumas in der römischen Antike? Was erzählst du da dem Kind?! Und was sollen die Nashörner, Wölfe und Krokodile bei den Raubkatzen?“
Ich erfuhr, dass zuerst die Zu-Fressenden in die Arena gestoßen, vom Publikum begutachtet, beklatscht oder verhöhnt wurden. Dann wurden durch eine komplizierte machanische Einrichtung, eine Art Liftkäfig, der durch Winden und Flaschenzüge bewegt wurde, die Wildkatzen aus den Katakomben im Keller hinauf auf die Bühne gefahren. Mit Hilfe einer noch gefinkelteren, aus mehreren Zugseilen bestehenden Apparatur wurden die Käfigtüren geöffnet, ohne dass ein Wärter die Arena betreten musste. Die Zu-Fressenden liefen zum Gaudium des Publikums schreiend hin und her…
„Und dann?“, fragte ich mit zitternder Stimme. Vielleicht war der Besuch des Colosseums, auf den ich mich so gefreut hatte, doch keine so gute Idee?
„Und dann – schnapp, knacks, schmatz, und weg war das Beinchen“, sagte Vater und lachte. „Und bald danach alles andere auch.“
„Und… und… und“, stammelte ich, „und warum wurde das Publikum von den Löwen und Tigern nicht ebenfalls gefressen?“
„Es gab eine hohe Barriere, vielleicht auch einen Zaun oder ein Gitter“, erklärte Mutter.
„Aber warum…?“
„Warum?! Warum?!“, unterbrach mich Vater. „Alles kann man nicht wissen, verstehen oder vorhersehen. Ich denke da besonders an den kleinen Caius, sechs Jahre alt, der auch immer so viele Fragen gestellt hat. Er saß mit seinen Eltern in der ersten Reihe und wurde von einem Puma zum Nachtisch verspeist, gerade, als er zum wiederholten Male das Wörtchen Warum…“
„Jetzt hör auf, ihm Angst einzujagen!“, schrie Mutter. „Außerdem kannten die alten Römer, wie du genau weißt, den Puma nicht. Für dich ist das ein dummer Scherz, aber er vergisst ja diesen Unsinn nicht und plappert ihn morgen nach.“
Je näher wir dem Gebäude kamen, umso düsterer und bedrohlicher wirkten die gigantischen Steinquader der Außenmauern, und das gleißende Licht, das an manchen Stellen aus dem Inneren, an dunklen Gängen, Treppen und Bögen vorbei, nach außen drang, war für mich das Leuchten des Todes.
Ich brauche mich nicht zu fürchten, erklärte Mutter. Die großen Massaker lägen fast zweitausend Jahre zurück. Wir lebten in einer schöneren und friedlicheren Zeit, einer Zeit, in der niemand mehr verspeist werde, jedenfalls nicht in der Öffentlichkeit. Von den mörderischen Raubkatzen von damals seien nach so vielen Jahrhunderten nicht einmal Pelzmäntel, Hauben oder Bettvorleger übrig geblieben. Die blutrünstigen Römer hätten sich im Laufe der Generationen in geschwätzige, harmlose Italiener verwandelt, und an Gladiatoren erinnerten nur mehr die Namen von Fußballmannschaften wie Spartak Moskau.
Ich glaubte Mutter, aber ich traute ihr nicht ganz. Ich erinnerte mich noch gut, wie wir vor eineinhalb Jahren Russland verlassen hatten. Es war eine spannende Reise, doch als wir in Israel angekommen waren, erklärte sie mir, dass ich meine Großmütter, meine Tanten, Onkel, meine Cousins und Freunde wahrscheinlich nie mehr wiedersehen werde. Nun waren wir wieder unterwegs.
Meine Unruhe wurde größer, als wir uns hinter die anderen Touristen in die Menschenschlange einreihten. Der Eingang war schmal. Die Bögen im Erdgeschoss waren vergittert. Der Fluchtweg vor den Raubkatzen war verschlossen. Mit drei oder vier Jahren hätte ich mich vielleicht noch zwischen den schweren gusseisernen Gitterstäben hindurchzwängen können. Nun aber war ich gefangen, sobald wir den alten Mann in zerknitterter, blauer Uniformjacke, der die Eintrittskarten kontrollierte, hinter uns gelassen hatten.
„Du bist doch kein Kleinkind mehr“, schimpfte Mutter.
„Natürlich nicht, ich weiß, dass hier heute niemand mehr gefressen wird“, erklärte ich stolz. „Ich habe keine Angst.“
Mutter nahm meine Hand und ließ sie nicht mehr los.

Zur Zeit Kaiser Domitians waren die weitläufigen Korridore, Treppen und Übergänge im Inneren des Theaters mit purem Marmor ausgekleidet. Statuen, bunte Reliefdarstellungen von Kämpfen und Tierhatzen schmückten die Wände. Ein ausgeklügeltes System von Bögen und Fenstern sorgte für eine ausreichende natürliche Beleuchtung, wenn die etwa fünfzigtausend Besucher in die Spielstätte strömten oder diese nach Ende der Vorstellungen verließen. Doch im Sommer 1972 war von der einstigen Pracht nicht mehr viel zu erkennen. Die Wände waren kahl und rauh, und das elektrische Licht betonte das bedrohlich wirkende Halbdunkel eher noch, anstatt es aufzuheben. Manchmal, so schien es mir, starrten mich funkelnde Katzenaugen aus den dunklen Ecken an – bewegungslos, lauernd. Einzig der Souvenirladen gegenüber dem Eingang bildete einen Kontrapunkt zum archäologischen Minimalismus. Eine korpulente Frau mit gelangweiltem Gesicht bot neben Ansichtskarten, Reiseführern, Colosseumatrappen aus Plastik und Blech Plyschlöwen zum Verkauf an.
Über abgewetzte Stufen ging es hinauf, ins dritte Obergeschoss, zurück ins Licht. Die Touristenherde schob meine Eltern und mich in die vorgesehene Richtung, an Beschreibungen und Skizzen, die an den Wänden befestigt waren, vorbei, den Pfeilen nach. Die Menschenmasse zwang uns ihr Tempo auf, sie raubte mir die Sicht, und plötzlich überkam mich die Vorstellung, wir seien allesamt jene zum Tode Verurteilten und zu Fressenden, deren grausames Ende der Belustigung des Volkes dienen sollte. Als das Sonnenlicht mich blendete, schloss ich die Augen, zog den Kopf ein, hielt den Atem an, wartete. Meine Mutter zog mich weiter. Bald spürte ich wieder die Mittagshitze im Nacken, musste den Schritt beschleunigen, stolperte über etwas, bemerkte, wie der hintere Riemen meiner linken Sandale auf die Ferse hinunterrutschte, öffnete die Augen aber erst, als wir anhielten.
„Faszinierend! Großartig!“, hörte ich Vaters Stimme.
„Schau, die vielen Katzen!“, rief meine Mutter aus.
Sofort schloss ich die Augen wieder.
„Katzen, keine Löwen, du Dummerchen.“
Vorsichtig machte ich zuerst das linke, dann das rechte Augen auf und erblickte – nur wenige Schritte von mir entfernt – drei Gestalten, die an riesige Raben oder Krähen erinnerten und mich vor Schreck aufschreien und zusammenzucken ließen. Als sich meine Augen wieder an das Licht gewöhnt hatten, erkannte ich, dass es sich um keine großen Vögel, sondern um Frauen handelte. Ihre schwarzen Kleider bedeckten Arme und Beine, reichten bis zu den Knöcheln, schienen die Sonnenstrahlen anzulocken, um das gleißende Licht zu schlucken. Außerdem trugen sie eigentümliche weiße Kopfbedeckungen, Hauben, die mit einem Tuch verbunden waren, das den Hals und einen Teil der Schultern bedeckte. Nach der anfänglichen Angst und Verwirrung, die rasch der Neugierde wich, kombinierte ich nach einigem Nachdenken messerscharf, streckte meinen freien Arm und den Zeigefinger aus und schrie begeistert und äußerst stolz darauf, das Rätsel so schnell gelöst zu haben: „Nonnen! Schau, Mama, Nonnen! Papa, Nonnen!!!“
„Richtig, Nonnen“, bemerkte Mutter halblaut. „Aber hör auf zu schreien, das ist peinlich.“
Aber ich war nicht mehr zu bändigen. Meine Angst und Spannung entluden sich in einer beinahe euphorischen Wiederholung des Wortes „Nonnen“, das von Mal zu Mal um einige Töne höher und lauter durch die Arena des antiken Theaters erschallte.
„Halt’s Maul, sonst gibt’s zu Hause ganz schwere Hiebe mit dem Riemen!“, zischte Vater. Aber ich hörte nicht auf, zumal ich wusste, dass seine Drohungen nichts als leeres Gerede waren.
Eine der Nonnen, die älteste der drei, begann zu lachen und sagte etwas Freundliches auf Italienisch, während sich meine Eltern in einem gebrochenen Kauderwelsch aus Russisch, Deutsch, Hebräisch und Italienisch zu entschuldigen begannen. Auch die zweite, etwas jüngere Nonne, lächelte und sagte etwas, von dem ich nur das Wort „Bambino“ verstand, und nur die dritte Nonne, ein noch ganz junges Mädchen, blieb ernst, senkte den Blick und verschränkte die Hände auf dem Bauch.
„Slicha. Entschuldigung. Izwinítje. Pardon. Scusi“, wiederholte Mutter und fügte auf Russisch hinzu: „Er ist ein schwieriges und sonderbares Kind, eigentlich ein kleines Monsterchen, eine Missgeburt, eine schlangenähnliche Eidechse. Alle anderen Leute haben normale Kinder. Mit einem solchen Kind hätten wir nie emigrieren dürfen. Ein normales Kind kommt mit schwierigen Bedingungen zurecht, aber ein schwieriges Kind braucht die Normalität.“ Dann zog sie mich rasch davon.

Während mir Mutter am Beispiel der unzähligen streunenden Katzen, die in den Resten der Katakomben unter der längst eingestürzten Bühne hausten, die Mendel’schen Gesetze kindgerecht zu erklärten versuchte, ließ sich Vater über das Aussehen und die Kleidung der Nonnen aus. Ihr Schicksal bedauerte er zutiefst. Besonders die jüngste der drei fand er „ausnehmend hübsch“. Es sei „eine Verschwendung“ und „ein großer Verlust für die Männerwelt“, dass sie „diesem Verein“ beigetreten sei.
„Sieh doch, die Rot-Schwarz-Weiße auf dem Mauervorsprung“, erklärte mir Mutter. „Das ist wahrscheinlich die Mama von der Grau-Schwarzen dort links vor der Absperrung. Sie haben ungefähr dieselbe Felllänge und dasselbe Schwanzmuster.“
„Sie müssen auf etwas ganz Wesentliches in ihrem Leben verzichten, um es dann im Jenseits umso leidenschaftlicher nachzuholen“, sagte Vater grinsend, und seine Augen leuchteten schelmisch. „Deshalb heißen sie ja auch Bräute Christi.“
„Und da ist noch ein ganz junges Kätzchen, ein ganz Schwarzes. O je, jemand hat ihm ein Ohr abgebissen…“
„Was machen die überhaupt im Colosseum? Sie sollten doch im Kloster sitzen und beten. Schließlich wartet im Jenseits nicht irgendwer, sondern Christus auf sie.“
„Als Kind hatte ich eine weiße Angorakatze, aber sie wurde mir gestohlen. Eigentlich hatte ich mir in der Tierhandlung ein gewöhnliches getigertes Kätzchen ausgesucht, aber deine Großmutter hat so lange auf mich eingeredet und erklärt, wie schön und außergewöhnlich das weiße Angorakätzchen sei, dass ich schließlich dieses genommen habe…“
„Ob sie sich das wohl plastisch ausmalen, wie das ist, wenn sie einmal nicht mehr Bräute, sondern Gattinnen Christi sind…“
„Jetzt hör aber auf! Nicht vor dem Kind! … Es sei natürlich alleine meine Entscheidung, hat deine Großmutter mir gesagt. Wenn ich das getigerte Kätzchen wirklich haben wolle, solle ich es nehmen. Andererseits habe das Angorakätzchen ein so schönes langes Fell und wunderschöne Augen. Ob es mir denn nicht gefalle? … Na ja, in der Kommunalwohnung wurde sie mir dann gestohlen, die Angorakatze…“
„Und wo ist der Puma?“, fragte ich.
Mutter ließ meine Hand los, wandte sich Vater zu und sagte mit hörbarer Verärgerung in der Stimme: „Siehst du! Das hast du nun davon! Ursache und Wirkung.“

Am nächsten Morgen hatten meine Eltern einen Termin in einer der zahlreichen Flüchtlingshilfsorganisationen, die sie während unseres Aufenthaltes in Rom aufsuchten, und ließen mich in der Pension zurück. Die Pension war in Wirklichkeit eine große Privatwohnung. Die Eigentümer, ein älteres Ehepaar, vermietete Zimmer zu so billigen Preisen, dass sich sogar Emigranten wie meine Eltern diese Unterkunft Monate lang leisten konnten. Irgendwann waren ihre Ersparnisse trotzdem aufgebraucht. Dass die Vermieterin fast immer zu Hause war, machte die Sache für meine Eltern noch angenehmer. Ich blieb nie unbeaufsichtigt. So ist mir dieser Aufenthalt in Rom vor allem durch Alleinsein und Langeweile in Erinnerung geblieben. Die „Signora“ verbrachte die meiste Zeit in der Küche oder im Wohnzimmer und sprach nur Italienisch.
Durch das Fenster unseres Zimmers konnte ich ein mit Ziegelsteinen übersätes und spärlich bewachsenes Areal betrachten. Angeblich war dort ein halbes Jahr zuvor ein Haus abgerissen worden. Auf der anderen Seite dieser Freifläche stand eine Palme. Dahinter befand sich eine über und über mit Grafitti beschmierte Steinmauer. Die Mauer trennte ein aufgelassenes Gewerbegebiet von einer Straße, deren Asphaltbelag genau an jener Stelle in eine rötliche Erd- und Sandpiste überging, wo sich die Palme befand. Manchmal fuhr ein Auto vorbei und wirbelte Staub auf. Das gehörte für mich zu den aufregendsten Ereignissen des Tages. Außer meinen Kinderbüchern sorgten nur der Zeichenblock, die Buntstifte und der etwas zehn Zentimeter große Abfangjäger, den mir meine Eltern zum sechsten Geburtstag gekauft hatten, für Unterhaltung.
An diesem Morgen schien die Sonne besonders intensiv ins Zimmer. Ich zog die Vorhänge zu und begann zu zeichnen. Der kleine Caius saß in der ersten Reihe und klatschte begeistert in die Hände. Die Käfigtüren waren schon geöffnet, und auf der Bühne jagte eine zum wilden Raubtier mutierte Angorakatze einer Nonne hinterher. Ein Puma und ein Krokodil befanden sich ebenfalls auf der Bühne, außerdem einige zum Tode verurteilte Verbrecher, ein Pirat mit Augenklappe und ein Löwe, der ein menschliches Bein im Maul hielt. Die meisten Darsteller in meinem blutrünstigen Spektakel waren aber Nonnen und Angorakatzen oder beides zugleich, Katzen im Nonnengewand, Nonnenkatzen. Gegen Mittag war das Bild fertig: eine Etüde in Rot und Schwarz, Schwarz und Weiß, eine Ansammlung von Katzenköpfen und schwarzen Kutten, und mitten im Gemetzel und Gewühl – der große Gladiator, Liebling des Publikums, ein Muskelpaket der Sonderklasse, seit vielen Jahren im Kampf und immer noch unbesiegt, Christus, von den Nonnen verehrter Bezwinger aller Angorakatzen – auf der Theaterbühne wie auch im legendären Jenseits, wo Milch und Honig flossen und Skelette mit strahlend weiß polierten Knochen Foxtrott tanzten.
„Das sind doch keine Raubkatzen“, erklärten mir meine Eltern am Abend.
„Das sind Ziegen“, meinte Mutter. „Sie haben keine Ohren, sondern Hörner.“
„Eindeutig Ziegen“, bestätigte Vater. „Und was soll das sein? Ein Krokodil? Das ist ein Hund, bestenfalls ein Wolf.“
„Gar nicht wahr!“, schrie ich, beugte mich über das Blatt und verdeckte das Bild mit den Armen.
„Rotkäppchen, der böse Wolf und die sieben Geißlein im Colosseum. Mit Rotkäppchen als Schwarzkuttchen. Mir scheint, du bringst alle Geschichten durcheinander.“
„Das stimmt nicht!“, protestierte ich. „Rotkäppchen wird nicht von Angorakatzen gefressen, von Christus gerettet und ins Jenseits gebracht.“
Die Eltern lachten schallend. Mutter gab mir einen Kuss. Vater streichelte meinen Kopf. „Ich persönlich glaube an Gott, ich glaube auch an den bösen Wolf, aber ich glaube nicht an Rotkäppchen“, sagte er.

Erstpublikation: Zeitschrift „Literatur und Kritik“, Salzburg, Frühjahr 2011.

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